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1895-1922: Jugend und Amerika Ernst Geitlinger wird am 13. Februar 1895 in Frankfurt/Main geboren. Der Vater stirbt, als Geiltinger ein halbes Jahr alt ist. Die Mutter heiratet dessen Vetter, den Fahrradfabrikanten und Kaufmann Ernst August Bürgin. Die berufliche Veränderung des Vaters führt die Familie 1913 nach New York. Geitlinger ist achtzehn Jahre alt, schreibt sich an der "Academy of Design" ein, unterrichtet als Zeichenlehrer und wird Theatermaler. Mitarbeit im Atelier des Bühnenbildners Winold Reiss. 1920 Heirat mit der aus Bremen stammenden Martha Katenkamp. 1922-1933: Rückkehr nach Europa Geitlinger studiert an der Akademie der Bildenden Künste in München. Sein Lehrer ist Karl Caspar, der die fortschrittlichste, am Expressionismus orientierte Klasse leitet. Er beteiligt sich an Ausstellungen des Deutschen Künstlerbundes und der Neuen Münchner Sezession und wird 1932 Mitglied der Juryfreien. In Berlin erhält Geitlinger 1931 seine erste Einzelaussstellung; die Presse reagiert positiv. Geitlinger ist begeisterter Anhänger der Schwabinger Künstlerfeste und arbeitet als deren Ausstatter. 1933-1945: Der Zweite Weltkrieg Auch Geitlingers Kunst gilt als "entartet": Er erhält Ausstellungs- und Arbeitsverbot, bereits erteilte Aufträge werden zurückgezogen. Erschüttert von der politischen Entwicklung, stellt Geitlinger mehrfach Ausreisegesuche (Italien, Kolumbien, UdSSR, USA), die aber scheitern. Er zieht sich in die " innere Emigration" zurück, verdient den Lebensunterhalt für seine Familie - Marianne Isler wird 1935 seine zweite Frau - als Hilfsarbeiter, malt aber heimlich weiter. Die künstlerische Zwangsisolation jener düsteren Jahre läßt in Geitlingers Malerei eine heiter-phantastische Gegenwelt entstehen. Ihre lyrische Gestimmtheit stellt Bezüge zum frühen Paul Klee und Marc Chagall her. Der großzügig stilisierte Bildaufbau verweist bereits auf die kommende Abstraktion. 1936 wird er Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. Während des Krieges arbeitet Geitlinger als Dolmetscher in einem Gefangenenlager. 1945-1959: Seeshaupt Marianne Geitlinger verlegt bereits während des Krieges Wohnung und Atelier nach Seeshaupt am Starnberger See; die meisten Arbeiten werden auf diese Weise gerettet. Die erste Ausstellung zur zeitgenössischen deutschen Kunst, an der Geitlinger nach 12 Jahren teilnimmt, findet im Dezember 1945 im Augsburger Schaezler-Palais statt. 1946 beteiligt er sich an der Gründung der Neuen Gruppe in München. 1948 kann Geitlinger auf der Biennale in Venedig ausstellen. 1949 entwirft er Bühnenbild und Kostüme für Igor Strawinskys Ballett "Orpheus" an der Bayerischen Staatsoper in München. 1950-1965: München und die Akademie Regelmäßig zeigt Geitlinger seine Arbeiten in der Großen Münchner Kunstausstellung im Haus der Kunst. 1950 beteiligt er sich an der Wiederbegründung des Deutschen Künstlerbundes. 1951 wird er Mitglied der Darmstädter und Frankfurter Sezession. Geitlinger ist auf den wichtigsten Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst vertreten; dank dieses vielfältigen Engagements verhilft Geitlinger der gegenstandsfreien Kunst zu mehr Öffentlichkeit und Raum. 1951 erhält er einen Lehrstuhl als Professor für Malerei und Grafik an der Münchner Akademie der Bildenden Künste, den er bis zu seinem 70. Lebensjahr wahrnimmt. Geitlinger vertritt eine konstruktiv-abstrakte Kunstrichtung. Durch seine Offenheit für neue gestalterische Möglichkeiten wird er bei den Studenten zu einem der beliebtesten Lehrer. Innerhalb des konservativen Kollegiums hat er allerdings einen schweren Stand. 1965-1972: Späte Jahre Geitlinger gründet 1965 in München, Haimhauser Straße 14, eine private Malschule, das "atelier geitlinger". Es wird für viele ehemalige und neugewonnene Schüler zum beliebten Treffpunkt und Ort geistigen und künstlerischen Austausches. Am 28. März 1972 stirbt Geitlinger im Alter von 77 Jahren in Seeshaupt. 1983 gründen ehemalige Schüler im Beisein von Marianne Geitlinger in Seehaupt die Ernst Geitlinger Gesellschaft. |
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